Werke bis 1831






Abb.: Heine-Institut

Die "Reisebilder"

 

 

Seinen Durchbruch als Dichter erlebte Heine durch die funkelnde Prosa der "Reisebilder", deren erster Band 1826 erscheint. Unmittelbar vor der französischen Revolution von 1830, in einer trostlosen Zeit der "Fäulnis und Trauer", werden sie zum Prototyp einer Denk- und Schreibweise, an die nachfolgende Schriftstellergenerationen unmittelbar anknüpfen können.

 

"Ich will reisen und viel sehen. Dieses befördert auch meine Poeterey", hatte Heine nach Abschluss seines Studiums geäußert: Reiseeindrücke, verbunden mit Lesefrüchten und Erkenntnisfortschritten ließen immer neuen Stoff entstehen. Zudem ging die Arbeit schneller von der Hand als die quellengestützten Projekte. Dennoch war Heine kein Reiseschriftsteller. Er wollte keine fremde Realität vorstellen, seine Reiseberichte sind eher arm an Realien. Keine »erzählte Fremde« also, sondern der intelligente Blick auf die vorbeieilende Welt, die in Beziehung gesetzt wird zu eigenen Erfahrungen.

 

 

Heines "subjektiver Prosastil" machte das Ich zur Hauptgestalt: "Was ich aus den Dingen nicht hinaussehe, das sehe ich hinein". Anstelle von Beschreibungen erfährt der Leser subjektive Eindrücke, anstelle von Urteilen Ansichten, anstelle von Begebenheiten Erlebnisse. Diese Art der Reisebeschreibung erlaubte es Heine, alle Register seiner Kunst zu ziehen, Empirie und Fiktion zu mischen, witzige Ideen-Assoziationen zu entwickeln, Kontrastvergleiche anzustellen und immer wieder die Grundlage zu schaffen für ernsthafte, analytische, teilweise prophetische Resümees von Gewicht. Dem Bauprinzip der einzelnen Texte entsprach die lose Reihenform der Bände. Die "Reisebilder" waren nur Sammelname und Mantel für verschiedene literarische Formen, Genres und Gattungen: für Reiseberichte, feuilletonistische Skizzen, Korrespondenzartikel, Aufsätze und Essays ebenso wie für Übersetzungen, Gedichte und Xenien.

 

 



Heine als Harzwanderer - Silberstiftzeichnung 1829 - mit eigenhändiger Widmung H.s

Der erste Band der "Reisebilder" erscheint im Mai 1826. Er vereint die "Harzreise" - Heines erste Prosaarbeit mit dem legendär pennälerhaften Beginn: "Die Stadt Göttingen, berühmt durch ihre Würste und Universität" -  mit den 88 Gedichten der "Heimkehr" und der ersten Abteilung der "Nordsee"; in der zweiten Auflage von 1830 ergänzte "Nordsee II" dann die erste Abteilung.

 

Kernstück des zweiten Bandes der "Reisebilder" (April 1827) bildet ein autobiographisches Fragment: "Ideen. Das Buch Le Grand". Noch keine 30 Jahre alt, verbindet Heine hier autobiographische Skizze und weltgeschichtliche Perspektive, wobei ihm Goethes »Dichtung und Wahrheit« insofern als eine Art Muster diente, als "diese Selbstbiographie (...) auch die Biographie der Zeit" darstellte und er sich die Verschränkung von individueller Biographie und Weltgeschichte ebenfalls zum Ziel gesetzt hatte.

 

 

Anfang 1830 erscheinen die Reisebilder III mit den "Bädern von Lucca" und der ebenso sorgfältig gemeinen wie flegelhaften Polemik gegen August von Platen, der als Dichter demontiert und als Homosexueller stigmatisiert wird (Platen hatte zuvor in einer Literatursatire einige Pointen auf Kosten Heines und vor allem seiner jüdischen Herkunft gemacht).

 

Mit dem vierten Band (Die Stadt Lucca, Englische Fragmente) wurde das Erfolgsprojekt "Reisebilder" 1831 abgeschlossen.

 



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