Exkurs: Heines Reisen






H.s Pass für die Italienreise

Reisen zum Vergnügen, zur Erweiterung des persönlichen Horizonts, diesen Luxus hat sich Heine selten leisten können. Wenn er im Sommer ans Meer, ins Thermalbad oder einfach aufs Land fuhr, dann um sich dort von den Alltagsstrapazen der kalten, nassen, lichtschwachen und vitaminarmen Jahreszeit zu erholen. 1823 macht er eine längere Badekur an der Elbmündung; 1824 unternimmt er eine Fußwanderung durch den Harz. 1825 darf er sich auf Kosten seines Onkels Salomon sechs Wochen lang auf Norderney erholen. Seit dort eine Spielbank errichtet worden ist, hat sich das ostfriesische Inselbad während der Saison zum Treffpunkt der vornehmen und extravaganten Welt entwickelt. 1826 kann er sich aufgrund eines Honorarvorschusses seines Verlegers erneut einen sechswöchigen Urlaub auf Norderney leisten.

 

Seine Beschäftigungen an der Nordsee unterscheiden sich nicht wesentlich von denen anderer männlicher Badegäste: Er erkundet die nähere Umgebung, macht Bootsausflüge, schließt Bekanntschaften, besucht Bibliotheken, flirtet mit Damen der Hautevolee, verspielt Geld im Kasino. Und er genießt den Anblick des Meeres, das er als "wahlverwandtes Element" empfindet, den Wechsel von Ebbe und Flut, die stürmische Brandung. "O wie lieb ich das Meer, ich bin mit diesem wilden Ellement so ganz herzinnig vertraut worden, und es ist mir wohl wenn es tobt", schreibt er an den Dichterfreund Karl Immermann.

 

1827 fährt Heine nach England. Wieder ist es der Onkel, der die Reise finanziert. Für den jungen Schriftsteller ist es eine Bildungsfahrt in die Zukunft, ins Herz der industriellen Revolution, auf die Bühne der konstitutionellen Monarchie und des parlamentarischen Systems: Von der eigenen Anschauung britischer Politik, Kultur und sozialen Lebens in der Hauptstadt verspricht er sich einen Gewinn für seine publizistische Tätigkeit. Allerdings kommt er nicht ohne Vorurteile. In den Engländern sieht er "wunderliche Käuze", die er nicht leiden kann: "Sie sind erstens langweilig, und dann sind sie ungesellig, eigensüchtig, sie quäken wie die Frösche, sie sind geborne Feinde aller guten Musik, sie gehen in die Kirche mit vergoldeten Gebetbüchern, und sie verachten uns Deutsche, weil wir Sauerkraut essen".

 

Nicht eines lang ersehnten Kunst- und Bildungserlebnisses wegen, sondern weil er den Sommer, seiner Gewohnheit gemäß, am Meer verbringen möchte, unternimmt Heine 1828 eine große Italienreise. Für die 600 km lange Strecke von München nach Genua benötigt er elf Tage. Weil er dort offenbar keine geeignete Badegelegenheit findet, fährt er die toskanische Küste hinunter, um die Badesaison in Livorno und den Bagni di Lucca zu verbringen. Weitere Stationen sind Florenz und Venedig.

 

Die Sommer von 1829 und 1830 verbringt Heine auf der Insel Helgoland.

 




Sitzplatzreservierung H.s: Rückfahrt von Boulogne-sur-Mer nach Paris

1831 verlegt er seinen Wohnsitz nach Paris. Unter den von hier aus regelmäßig besuchten Badeorten nimmt das mondäne Boulogne-sur-Mer, in dem besonders englische Touristen Erholung suchen, einen besonderen Platz ein. Auch in Dieppe, in Le Havre, in Granville und in Trouville verbringt Heine die Sommerferien; zweimal besucht er auch Heilbäder in den Pyrenäen.

 

Die Sommerferien stellen Höhepunkte in Heines Budget dar. Bis zu 500 Francs betragen dann seine wöchentlichen Ausgaben, eine Summe, die 2006 ungefähr 3300 Euro entspricht – wöchentlich, wohlgemerkt.

J.-C. Hauschild/M. Werner




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