"Desperationskoketterie" - Zitate über Heine 

 

 

 

»Die ganz eigenthümliche Mischung von zartestem Gefühl und bitterstem Hohn, die einzige Verbindung von unbarmherzigem, scharf einbohrendem, ja giftigem Witz und von einschmeichelnder Süßigkeit des Vortrags.«


Karl August Varnhagen von Ense, 1826

 

 

»Diese Manier kann für den Augenblick größten Eindruck machen und den vollkommenen Effekt des Lächerlichen hervorbringen: in hundert Jahren, nachdem zehn andere Hanswurstleben über die Bühne der Zeit gegangen seyn werden, wird diese Manier abgestanden, unverständlich gelehrt erscheinen.«


Gustav Schwab, 1828

 

 

»Frivolisierende Ironie kann man ihm allerdings oft vorwerfen, aber sein poetisches Genie muß man gebührend anerkennen.«

 

Friedrich von Gentz, 1830

 

 

»Desperationskoketterie.«


Eduard Mörike: Brief an Friedrich Theodor Vischer, 17. Januar 1831

 

 

»Das geniereiche Organ, in dem sich der Zeitgeist auf die klarste und anmutigste Art ausspricht.«

 

Hermann von Pückler-Muskau, 1832

 

 

»Er verbindet ein deutsches Gemüt mit einem vollkommen französischen Stil.«


Jules Janin, 1833

 

 

»Heine ist ein magrer, kleiner, häßlicher Jude, der nie Weiber genossen hat, sich deshalb alles einbildet. Sein Schmerz, so unnatürlich er ist, mag wirklich seyn. Poesien sind seine Gedichte aber nicht Abwichserei.«


Christian Dietrich Grabbe, 1835

 

 

»Herr Minister Ancillon hält die Heinischen Producten für die gefährlichsten, weil sie in Beziehung auf Styl und Darstellung ein wahres Meisterstück sind.«


Ludwig Adolf Peter Fürst von Wittgenstein, 1835

 

 

»Heine ist der größte Kopf unter den Verschworenen, und er kann nur einem O'Connell, einem Lamartine und sehr wenigen anderen zur Seite gestellt werden.«


Clemens Fürst von Metternich: Brief an Fürst von Wittgenstein, 8. Dezember 1835

 

 

»Innerlich ein lumpiger Patron.«


Franz Grillparzer, 1836

 

 

»Er zuerst, von jüdischen Antipathien und französischen Beispiel verlockt, machte die Verspottung des Christenthums und der Moral, der deutschen Nationalität und Sitte, die Vorschläge, das Fleisch zu emancipieren, die liederlichen Prahlereien, das Kokettieren mit der Republik, die Affektaktion, an die große Revolution der Zukunft zu appelliren, zu dem fruchtbaren Thema, das seitdem die jungen Deutschen in allen Variationen durchgespielt haben.«


Wolfgang Menzel, 1836

 

 

»Er ist wohl ein Dichter bis in die Fingerspitzen. Der erschafft Lebendiges, und wen er anrührt, tritt, Katze oder Mensch, aus dem Papier heraus und steht da dem Gespött preis oder dem Beschauen.«


Adelbert von Chamisso, 1836

 

 

»Vielleicht - um historisch zu sprechen - wären wir Alle nicht in der Literatur, hätte Heine nicht seine Zauberworte gefunden.«


Heinrich Laube, 1837

 

 

»Wenn Deutschland Heine nicht liebt, nehmen wir ihn gerne auf, aber leider liebt Heine Deutschland über Gebühr.«


Alexandre Dumas, 1839

 

 

»Sein Herz ist so gut, wie seine Zunge schlecht ist.«


George Sand, 1841

 

 

»Heine ist voll angeborener Bosheit. Wüßte er jemand in Sibirien, dem er eine unangenehme Empfindung verursachen möchte, er würde sich keine Mühe verdrießen lassen, zu diesem Zwecke zu gelangen.«


Nikolaus Lenau zu Max Löwenthal, 26. November 1843

 

 

»Der hervorragendste unter allen lebenden deutschen Dichtern.«


Friedrich Engels, 1844

 

 

»Er repräsentiert in Paris den Geist und die Poesie Deutschlands, wie er in Deutschland die lebendige und geistreiche französische Kritik verkörpert.«


Honoré de Balzac, 1844

 

 

»Unsere maliziöse Nachtigall.«


Karl Grün, 1845

 

 

»Einer der wenigen Poeten, welche alle Revolutionen der Welt überleben werden.«


Georg Weerth, 1849

 

 

»Der Mann, der zur Stunde das beste Französisch schreibt, ist ein Deutscher, und dieser Deutsche heißt Heinrich Heine.«


Adolphe Thiers, 1850

 

 

»Er schuf in unserer Literatur eine neue Epoche, indem er das Schwanenlied der untergehenden Romantik sang und gleichzeitig dem eigentlich modernen Geist und einer freieren Auffassung des Lebens die Bahn brach.«


Rudolf Gottschall, 1851

 

 

»Heines Ironie besteht sehr oft darin, daß er erst den Kopf und dann den Hintern zeigt.«


Friedrich Hebbel, 1854

 

 

»Heine ist der größte deutsche Lyriker und stellt sich ganz naturgemäß neben Goethe und Schiller.«


Théophile Gautier, 1855

 

 

»Eine Mischung aus Apollo und Mephisto.«


Théophile Gautier, 1864

 

 

»Unser armes Frankreich hat heute nur sehr wenige Dichter und nicht einen einzigen, den es Henri Heine entgegenstellen könnte.«

 

Charles Baudelaire, 1865

 

 

»Und ich denke mit Bitterkeit daran, daß bei Heinrich Heines Begräbnis neun Personen anwesend waren! O Publikum! O Bürger! O Lumpenpack! - Ihr Elenden!«


Gustave Flaubert: Brief an Léonie Brainne, 25. April 1879

 

 

»Unser Jahrhundert hat vielleicht kein größeres Dichtertalent gesehen als Heine; und wer kann dieses Spielen des Verstandes mit dem eigenen Herzblut, dieses im Wollüstigen und Phantastischen gewaltige, der Charaktertragik Shakespeares schlechthin baare Gestaltungstalent anders begreifen, als wenn man sich seines Ursprungs erinnert?«

 

Theodor Mommsen, 1880

 

 

»Den höchsten Begriff vom Lyriker hat mir Heinrich Heine gegeben. Ich suche umsonst in allen Reichen der Jahrtausende nach einer gleich süßen und leidenschaftlichen Musik. Er besaß jene göttliche Bosheit, ohne die ich mir das Vollkommene nicht zu denken vermag ... Und wie er das Deutsche handhabt! Man wird einmal sagen, daß Heine und ich bei weitem die ersten Artisten der deutschen Sprache gewesen sind.«

 

Friedrich Nietzsche, 1888

 

 

»Vergessen die Herren denn ganz, daß Heine ein Liederdichter ist, neben dem nur noch Goethe genannt werden darf?«

 

Otto von Bismarck, um 1890

 

 

»Heines entscheidende Bedeutung für die Literatur ist seine künstlerische Eroberung des politischen und sozialen Zeitlebens.«

 

Kurt Eisner, 1906

 

 

»Er schreibt die ersten Lieder des dritten Jahrhunderts. ... Er ist der neue Sänger der großen Städte; ihrer Liebe und ihres Hungers; er gab die neue Lyrik der gepflasterten Straßen.«

 

Alfred Kerr, 1906

 

 

»Heine ist der einflußreichste Poet des ganzen vergangenen Jahrhunderts.«

 

Wilhelm Kosch, 1908

 

 

»Von seinen Werken liebe ich längst das Buch über Börne am meisten. Er war als Schriftsteller und Weltpsychologe nie mehr auf der Höhe, nie weiter voraus als in diesem Buch. ... Nebenbei enthält dieses Buch die genialste deutsche Prosa bis Nietzsche.«

 

Thomas Mann, 1908

 

»Heinrich Heine, der der deutschen Sprache so sehr das Mieder gelockert hat, daß heute alle Kommis an ihren Brüsten fingern können.«

 

Karl Kraus, 1910

 

 

»Er ist das als voreilender Meister, was seitdem unzählige als arme Sklaven sind: Journalist bis in seine Lyrik hinein ... Seine Flachheiten und nicht seine Tiefen, nicht seine deutschen und jüdischen Qualen, machen ihn beliebt. Für die deutsche Sprache ist er der verhängnisvolle Erleichterer, Vermischer und Verschieber geworden.«


Friedrich Gundolf 1920

 

 

»Sein Ziel war auf Spott gestellt, und dieser, nicht Freiheit, nicht Demokratie, nicht Pantheismus noch Theismus, war die Grundform seines Geistes, die er stets bewahrte.«


Benedetto Croce, 1925

 

 

»Wir können zehn gegen eins wetten, daß sein Denkmal noch in der ersten Woche der Aufstellung beschmutzt, zertrümmert oder besudelt würde.«


Stefan Zweig: Brief an Adolf von Hatzfeld, 11. Februar 1926

 

 

»Die Gräber der deutschen Helden des Weltkrieges verkommen und werden vergessen, und für die Judensau auf dem Montmartre wirft man das Geld der deutschen Steuerzahler zum Fenster hinaus.


Julius Streicher 1926

 

 

»Er ist das vorweggenommene Beispiel des modernen Menschen.«

 

Heinrich Mann, 1929

 

 

»Er ist der erste wirkliche Großstädter und reine Stadtmensch im deutschen Schrifttum.«

 

Karl Wolfskehl, 1931

 

 

»Wie hat er das Land geliebt, das ihn ächtete.«

 

Alfred Döblin, 1935

 

 

»Heine ist kein deutscher Lyriker! Sein Dichten ist nur ein launisches Zusammensuchen, Kleben, Klittern von nicht zusammengehörigen Elementen, Motiven, Stimmungen, Anschauungen, Ansichten, Beobachtungen und dergleichen mehr, und darum nicht echt, organisch geschlossen, gewachsen, zutiefst im Erleben bedingt, sondern Mache, Talmi, Effekt, Schein! ... Weil Heine kein Deutscher ist, hat er nie und nimmer in der deutschen Literaturkunde, die Ehrenhalle nur deutscher Dichter ist, in keinem Lese- und Lernbuch als deutscher Dichter Eingang zu finden und gar gefeiert zu werden.«

 

Dr. Wolfgang Lutz, 1936

 

 

»Weil er nichts durch die Brille einer Ideologie, wenn auch alles wie durch die Gläser eines Teleskops, entfernter und schärfer, gesehen hat, kann er heute noch als einer der klügsten Beurteiler der politischen Ereignisse seiner Zeit gelten.«

 

Hannah Arendt, 1948

 

 

»In Heine schlug die Ironie ins Teuflische um. Der Satanismus verfeinerte sich zum Narkotikum, das als Trank des Lebens ausgegeben wurde und den Glauben an die Reinheit der Kunst zerfraß.«


Walter Muschg, 1953

 

 

"Das deutsche Volk liebt nicht das heilsame Ärgernis, und der große, fast monumentale Fall dieses seines Versagens ist der Fall Heinrich Heine ... Die geistige und literarische Skala dieser in der deutschen Geschichte einmaligen Persönlichkeit reicht von einer Lyrik, die ihn in der Weltliteratur unmittelbar neben Goethe gebracht hat, bis zu einem Revolverjournalismus, der den Skandal bewußt als Drohung und Waffe benutzte. Sie reicht von einer liebenden Verehrung des deutschen Vaterlands, von einer unerhörten Liebesfähigkeit überhaupt, bis zu einem schmähenden Haß.«


Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, 1956

 

 

»Wenn Heine auch leidenschaftlich für die Revolution und sozialistische Ziele kämpfte, so nahm er dennoch nicht völlig den Klassenstandpunkt des Proletariats ein. Seine Unklarheiten und Schwankungen wurden verstärkt durch die Isolierung, in die der kranke Dichter nach 1848 geriet. Heine wirkte trotz dieser im einzelnen irrigen Ansichten bis zu seinem Tode entschlossen für die Beseitigung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, für den Sieg des gesellschaftlichen Fortschritts, des Sozialismus.«

 

Abt. Wissenschaft und Propaganda und Abt. Kunst, Literatur und Kulturelle Massenarbeit beim ZK der SED, 1956

 

 

»Heine hat die deutsche Prosa bereichert, sie aufgelockert, sie mit einem Schlag modern gemacht.«


Golo Mann, 1960

 

 

»In ihm wurden beim Anblick der Unermeßlichkeit des Ozeans, die verschollenen plasmatischen Erinnerungen eines Nomaden an die Weite der Wüste und Steppen lebendig.«


Ernst Alker, 1961

 

 

»In allem Wandel war er ein leidenschaftlicher Demokrat.«


Gustav Heinemann, 1972

 

 

»Ich lernte bei Heine, wir alle studierten ihn, Generationen von Schriftstellern und Journalisten pflegten seinen Stil, liebten sein helles, flinkes Deutsch, fanden in dem Romantiker ohne Illusionen, dem exilierten Patrioten, dem Düsseldorfer Europäer ihren Meister einer weltfreundlichen, das Weltpublikum fordernden, keineswegs traditionslosen Richtung unserer Literatur.«


Wolfgang Koeppen, 1972

 

 

»Heine hat Höhe ohne Feierlichkeit, Erhabenheit im Saloppen (was auf deutsch heißt: im Sauton). Er ist immer leicht, und nur was fürs Hirn leicht ist, klingt im Ohr. Im Grunde Hegel, außen Gassenhauer.«


Peter Hacks, 1985

 

 

»Ein verschämter Sentimentaler.«


Julien Green, 1990

 

 

»Der Politik tut es gut, von Heine zu lernen. Er hat sich um den Bau von Brücken zwischen Menschen, Kulturen und Ländern bemüht.«


Richard von Weizsäcker, 1996

 




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