Leben 1819 bis 1831




Studienjahre in Bonn, Berlin und Göttingen

 

 




Bonner Collegienverzeichnis H.s

Aufgrund der großzügigen Unterstützung seines Onkels kann sich Heine im Wintersemester 1819/20 als Student der Rechtswissenschaft an der Universität in Bonn einschreiben. Sein juristisches Studienziel verfolgt er nur beiläufig; vorrangig belegt er Vorlesungen über altdeutsche Literatur und Geschichte, hört zum Beispiel 1822/23 Hegels "Philosophie der Weltgeschichte", alles getreu dem augenzwinkernden Motto:

 

Zu fragmentarisch ist Welt und Leben!
Ich will mich zum deutschen Professor begeben.
Der weiß das Leben zusammenzusetzen,
Und er macht ein verständlich System daraus;
Mit seinen Nachtmützen und Schlafrockfetzen
Stopft er die Lücken des Weltenbaus.

 

 

Schon bald wird Heine in die Burschenschaft aufgenommen. Sie ist damals die einzige Gruppierung, die entschieden an der Forderung nach einem freien und geeinten Deutschland festhält. Nach zwei Semestern wechselt er an die Universität Göttingen, die er wiederum ein Semester später mit der Berliner Universität vertauscht. Erneut steht nicht das Fachstudium im Vordergrund, sondern das gesellschaftliche und kulturelle Leben und Erleben.

 

Allem, was Berlin an neuen Eindrücken und Reizen zu bieten hat, gibt sich Heine bereitwillig hin. Er genießt das glänzende gesellschaftliche Leben, das bunte Treiben auf Straßen und Plätzen, verbringt Tage und Nächte in Konditoreien und Cafés, wird eingeführt in die Salons Elise von Hohenhausens und Rahel Varnhagens, wo einflussreiche Persönlichkeiten des europäischen Geisteslebens ein- und ausgingen, so die Schriftsteller Ludwig Robert, Helmina von Chézy, Apollonius von Maltitz, Adelbert von Chamisso oder der Maler Wilhelm Hensel.

 




Rahel und Karl A. Varnhagen von Ense


Dankbar erinnert sich Heine später vor allem an das Ehepaar Varnhagen,

 

"wie Sie beyde mir so viel Gutes und Liebes erzeigt, und mich mürrischen, kranken Mann aufgeheitert, und gestärkt, und gehobelt, und durch Rath und That unterstützt, und mit Makaroni und Geistesspeise erquickt. Ich habe so wenig wahre Güte im Leben gefunden, und bin so viel schon mystifiziert worden, und habe erst von Ihnen und Ihrer großherzigen Frau eine ganz menschliche Behandlung erfahren."

 

Rahel, die Heine einmal "die geistreichste Frau des Universums" nannte, wie auch ihr Mann Karl August, dessen "Charakter, Kritik und Loyalität" Heine gleichermaßen zu schätzen wusste, verstanden es, Heine nicht nur zu ermuntern, sondern auch auf fördernde Weise zu kritisieren. "Heine muß ‚wesentlich' werden, und sollte er Prügel haben", war Rahels Erwartung an den jungen Dichter, und für Varnhagen, dem Heine das Verdienst zusprach, sein "poetisches Dichten und Trachten geordnet und zum Besten geleitet" zu haben, war es, wie Heine wusste, "nicht hinreichend daß ich zeige wie viel Töne ich auf meiner Leyer habe, gefordert war auch die Verbindung aller dieser Töne zu einem großen Conzert."

 

 

1824 wechselt Heine erneut an die Universität Göttingen, 1825 legt er dort sein schriftliches Doktorexamen ab. Gleichzeitig ließ er sich evangelisch taufen, denn noch hoffte er auf einen Posten im Staats- und Verwaltungsdienst oder auf eine freie Advokatur, was damals in den meisten deutschen Staaten Juden verwehrt war. Für den Fall, dass diese Pläne fehlschlugen, liebäugelte er mit der Idee, als promovierter Jurist in Berlin die Lehrbefähigung zu erwerben, um dann Philosophievorlesungen zu halten. Doch obwohl er mit Promotion und Taufe die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen hatte, erfüllten sich seine Erwartungen nicht. Heine erhielt keine Anstellung, nicht einmal die Berechtigung, sich als Advokat niederzulassen.

 



Heines Promotionsurkunde



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