Werke bis 1831  2






Abb.: Heine-Institut

Das "Buch der Lieder"

 

 


1827 erscheint Heines erste große Lyriksammlung, das "Buch der Lieder". Dass es einmal zu einem Kultbuch werden wird, ist vorerst nicht abzusehen. Erst ab der zweiten Auflage von 1837 folgen die Ausgaben rasch aufeinander und machen es zu einer der erfolgreichsten Lyriksammlungen der Weltliteratur. Heine hingegen verriet in späten Jahren eine nicht unerhebliche Distanz zu seinem frühen Werk. So schreibt er im Vorwort zur zweiten Auflage:

 

"Bescheidenen Sinnes und um Nachsicht bittend, übergebe ich dem Publikum das Buch der Lieder; für die Schwäche dieser Gedichte mögen vielleicht meine politischen, theologischen und philosophischen Schriften einigen Ersatz bieten."

 

 

Herausragend im "Buch der Lieder" erscheint auch heute noch Heines feines rhythmisches Gespür, das sich in bewusst einfach gehaltenen Versen manifestiert, die schon früh die Komponisten zu Vertonungen inspirierten.

 

Im Vergleich zu anderen Zeitgenossen wie Eichendorff und Mörike fällt bei Heine ein gewisses Auseinandertreten von Sprecher und Besprochenem auf, wodurch der Eindruck von Rollenhaftigkeit und manchmal auch von Konventionalität erweckt wird.

 

 



"Loreley": Eigenhändige Abschrift H.s für Alexandre Vattemare 1838

Die "Loreley" etwa evoziert aus der wehmütigen Distanz leicht verschwommener Erinnerung ein "Mährchen aus alten Zeiten".
Dieser eher mittelbare Charakter von Heines Lyrik kann sich auch in provozierender Stilmischung äußern, in der Einführung scheinbar unpassender Vokabeln aus der Alltagssphäre oder in der Kritik zeitgenössischer Haltungen konventionellen Literaturkonsums. Auffallend ist auch - sieht man einmal von den "Nordsee"-Gedichten ab - die Distanz zur Natur, die zumeist nur vermittelt durch fremde Erfahrung oder als Kulisse erscheint. Besondere Bedeutung erhält die kunstvolle Komposition in Zyklen, wodurch viele konstruktive Querverbindungen zwischen den einzelnen Gedichten hergestellt werden.

 

 

Das "Buch der Lieder" ist zugleich auch eine Sammlung von Liebesgedichten - eine, die Heine quantitativ nicht mehr übertroffen hat. Das petrarkistische Liebesmodell des Typus "schöne Herrin - blöder Ritter", wie es noch die "Jungen Leiden" beherrscht, wird dabei in den späteren Zyklen allmählich aufgelöst; das Bild der unerreichbaren Geliebten weicht der umfassenderen Einsicht in die Unmöglichkeit glücklicher Liebe überhaupt.


Im Wesentlichen gründet Heines Liebeslyrik auf der Überzeugung, dass sich die wahre Liebe eben dadurch beweist, dass sie auf Disharmonie der Wünsche beruht, ohne Aussicht auf Erfüllung ist und man ihrer allenfalls für einen flüchtigen Augenblick teilhaftig werden kann. Ein Gedicht aus dem "Lyrischen Intermezzo" kann als Archetyp für das heinesche Liebesmodell, die Verhinderung der glücklichen Paarbildung, gelten:

 

Ein Jüngling liebt ein Mädchen,
Die hat einen Andern erwählt;
Der Andre liebt eine Andre,
Und hat sich mit dieser vermählt.

 

 

Das Mädchen heirathet aus Aerger
Den ersten besten Mann,
Der ihr in den Weg gelaufen;
Der Jüngling ist übel dran.

 

 

Es ist eine alte Geschichte,
Doch bleibt sie immer neu;
Und wem sie just passiret,
Dem bricht das Herz entzwei.

 

 

Dieser neue Ton ist derart profiliert, dass er bald aufgegriffen, auch parodiert wird, besonders gekonnt von Heine selbst:

 

Ich wollte meine Lieder
Das wären Blümelein,
Ich schickte sie zum riechen
Der Herzallerliebsten mein.

 

 

Ich wollte meine Lieder,
Das wären Küsse fein,
Ich schickt sie heimlich alle
Nach Liebchens Wängelein.

 

 

Ich wollte meine Lieder
Das wären Erbsen klein,
Ich kocht' eine Erbsensuppe,
Die sollte köstlich sein.

 



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