Werke bis 1794  5




Mit seinen - je nach Fassung - vier- bis sechstausend Versen ist der "Don Karlos" ein schier unspielbares Stück.

 

Will man ihn auf die Bühne bringen, muss man kürzen und jenen Handlungsstrang pointieren, der den größten dramatischen Effekt verspricht. Wobei es verwundern mag, dass ausgerechnet eine Inszenierung, welche die Familientragödie hervorhob, als Jahrhundertaufführung gilt - die Gielen-Inszenierung zur Wiedereröffnung des Wiener Burgtheaters 1955, mit Werner Krauß als König Philipp und Oskar Werner als Don Karlos, in einem Tonbandmitschnitt von Werner Krauß' Ehefrau überliefert.

 

Die Intensität, die Krauß als vereinsamter Despot und Oskar Werner als ungestümer Idealist in ihr Spiel legen, ist selbst im reinen Tondokument eine Ausnahmeerscheinung. Das Ganze ist die vorbildliche Ausgestaltung eines auf Hassliebe beruhenden Generationenkonflikts. Und es ist zugleich das vielleicht äußerste Maß an emotionaler Schillerinterpretation - auf vorpathetischer Ebene - und daher so immens wirkungsvoll:


>>>O-TON: "Wir sind allein ..."


Machen wir einen Sprung in die Lyrik: Unter den lyrischen Produkten aus dem Jahrzehnt von 1784 bis 1794 haben "Die Götter Griechenlandes" und "Die Künstler" eine besondere Bedeutung. So vertritt Schiller in den "Göttern" zum ersten Mal mit aller Schärfe die Auffassung, dass der Riss, der durch die Welt geht und das Ideal von der Wirklichkeit trennt, seine Ursache in dem Verlust einer vorchristlichen Welt des Glücks, der Schönheit und der natürlichen Vollkommenheit habe.

 

Es bleibe nur die Klage: "Schöne Welt, wo bist du?" und die sehnsüchtige Erinnerung an das Gewesene:

 

Kehre wieder, / holdes Blüthenalter der Natur!




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