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Schillers "Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der Spanischen Regierung" entstand in unmittelbarem Anschluss an den "Don Karlos" und erschien zuerst in Wielands "Teutschem Merkur". Neben der Rekonstruktion von Geschichte ging es Schiller hier auch um die Erörterung des philosophischen Problems, was Geschichte ,in Wahrheit' sei. Die zentrale Frage dabei lautete: Erfolgte die Rebellion der Niederländer nach Gesetzen, die in der Geschichte verborgen sind, oder auf Grund unbegreiflicher Zufälle? Für Schiller war klar, dass der Geschichtsschreiber sich verhalten müsse, als seien solche Gesetze unbestreitbar vorhanden.

 

Und genau so deutlich sah er, dass sich ihr Wesen und ihr Ursprung nicht durch die reine Abschilderung von Fakten ans Licht bringen ließe. Denn dazu bedürfe es, wie Schiller meinte, der Kunst.

 

Die Beschäftigung mit der Historie hatte Schiller von der Notwendigkeit überzeugt, sich mit der Philosophie als Verbindungsglied zwischen Dichtkunst und Geschichte auseinander zu setzen. So begann er, als er nach seiner schweren Erkrankung Anfang 1791 wieder tätig sein konnte, mit einem intensiven Studium der Werke Kants, zunächst der "Kritik der Urteilskraft", die noch im selben Jahr die Abhandlung: "Ueber den Grund des Vergnügens an tragischen Gegenständen" inspirierte; wenig später gefolgt von der Schrift "Ueber die tragische Kunst".

 

Die philosophischen Untersuchungen Schillers in den Jahren 1792 und 93, also vor allem die an Körner gerichteten Kallias-Briefe, die an den Erbprinzen von Augustenburg gerichteten Briefe über die mögliche Wirkung der Schönheit sowie "Ueber Anmuth und Würde", beziehen sich sämtlich auf die Philosophie Kants und sind um deren Weiterentwicklung bemüht, wobei sich mehr und mehr eine zu überwindende Zwei-Welten-Lehre als Hauptproblem aufdrängte, die Schiller meinte, durch die Vorstellung der "schönen Seele" als Verbindungsglied von Sinnlichkeit und Sittlichkeit überwinden zu können.

 

Anschaulicher "Ausdruck einer schönen Seele" sei, so Schiller, die Anmut als natürliches Amalgam von Ethik und Ästhetik:

 

"In der Würde wird uns ein Beyspiel der Unterordnung des Sinnlichen unter das Sittliche vorgehalten. In der Anmuth hingegen sieht die Vernunft ihre Foderung in der Sinnlichkeit erfüllt, und überraschend tritt ihr eine ihrer Ideen in der Erscheinung entgegen."

 

Für die Kunstphilosophie der kommenden Jahre hatte Schiller mit diesem sinnlich-sittlichen Konzept eine tragfähige Basis geschaffen.



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