Werke bis 1805  5




Im März 1796 entschloss sich Schiller endgültig, den ihm aus seinen Arbeiten über den Dreißigjährigen Krieg vertrauten Wallenstein-Stoff dramatisch zu bearbeiten. Die Ausführung war nicht unproblematisch, wie Schillers Briefwechsel mit Goethe zu entnehmen ist, doch im Oktober 1798 war es so weit, der erste Teil der Tragödie wurde in Weimar uraufgeführt, die weiteren Teile folgten im Januar und April 1799. Der Erfolg war groß, aber nicht außerordentlich.

 

Zu den gewichtigsten Kritikern der Tragödie gehörte Hegel, der in einer offenbar nach der ersten Lektüre verfassten Rezension dagegen protestierte, dass Schiller den Zuschauer-Leser schlicht "ins Reich des Nichts" führe:

 

"es steht nur Tod gegen Leben auf, und unglaublich! abscheulich! der Tod siegt über das Leben! Das ist nicht tragisch, sondern entsetzlich!"

 

Diese Deutung ist dabei keineswegs abwegig, allerdings übersieht sie, dass der Dichter eifrig zu zeigen bemüht war, dass die Geschichte nicht blind zerstört, sondern gerecht straft: Mag auch Wallensteins Größe an sein Verbrechen geknüpft sein, so fordert dieses doch den Untergang des Helden.

 

Andererseits kann die Tatsache, dass die Ordnung ausgerechnet durch einen gedungenen, auch aus privaten Gründen handelnden Mörder wieder hergestellt wird, erneute Zweifel an einer höheren Welt- und Bühnengerichtsbarkeit erwecken, auch wenn mit der Nemesis, der ausgleichenden Gerechtigkeit, über die Wahl ihrer Mittel nicht zu rechten ist. Aber ist die Nemesis in dem Stück überhaupt am Werk?

 

Die Tragödie entwickelt sich aus lauter Zufällen, die in lauter Zweifeln ihre Entsprechung finden, welche förmlich zum Erkennungsmerkmal des Helden werden: in Zweifeln Wallensteins an sich selbst, an seinem (Sternen-)Glauben, an seinem Schicksal; in Zweifeln auch an der Zuverlässigkeit seiner Freunde und den wahren Absichten seiner Gegner.

 

Die Zweifel wiederum gebären entscheidende Irrtümer, die es dem Gegenspieler leicht machen, gerecht zu erscheinen; doch auch dieser, Octavio Piccolomini, gerät ins Zwielicht, weil er sich nur behaupten kann durch ‚gemeine' Mittel, die ihm die Gunst der Stunde zuträgt.



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