Werke bis 1805  8




Die zu ihrer Zeit am euphorischsten gefeierte aber war die Burgtheater-Inszenierung von 1955 - mit Paula Wessely als Maria Stuart und Käthe Dorsch als Elisabeth von England, eine Regiearbeit von Leopold Lindtberg, auf die der Schriftsteller und Kritiker Friedrich Torberg eine wahre Hymne anstimmte.

 

Bedauerlich, dass diese Aufführung nicht überliefert ist - doch kann sich der Nachgeborene mit einem Hörspiel des Bayerischen Rundfunks trösten, in dem ebenfalls Paula Wessely die Maria spielt, dezidiert textnah und - anders als zum Beispiel die mitreißend temperamentvolle Judith Holzmeister in dem Lindtberg-Film von 1958 - konsequent königlich. Hören wir hinein in die Szene III, 4. Es ist der - von Schiller übrigens frei erfundene - Showdown der Thronrivalinnen, exakt in der Mitte des Dramas:


>>>O-TON: "... denn ich bin Euer König!" (Wessely/Heerdegen)


>>>O-TON: "... denn ich bin Euer König!" (Holzmeister/Schreiner)


In seinem nächsten Drama, der "Jungfrau von Orleans", für das Schiller weniger als ein Jahr benötigt, schließt Schiller noch einmal mit einer Himmelfahrts-Vorstellung: Als Johanna, die gottberufene Feldherrin der Franzosen nach langem erfolgreichen Kampf stirbt, ist der Himmel "von einem rosigten Schein beleuchtet" - sichtbares Zeichen ihrer unmittelbaren Erlösung aus den Verstrickungen dieser Welt, in der sie schuldig wurde, als sie, das grausame Gebot Gottes vergessend, menschlich wurde und zu lieben begann - ausgerechnet einen der erbittertsten Feinde Frankreichs, den englischen Feldherrn Lionel Fastolf.

Zwar wird der naiven Schäferin, die Johanna von Hause aus ist, am Schluss ein Heil zuteil, aber nur, weil sie zuvor erfahren hatte, was es bedeutet, von Gott verlassen zu sein - und in Verbannung und Gefangenschaft zu geraten. Soll das nun heißen: Die Geschichte der nicht-naiven Menschheit ist tragisch, weil sie gottfern ist? Oder: Die Menschen ohne Gott sind einem (blinden?) Geschick ausgeliefert und daher tragisch?

 

- Letztlich gibt es diese Art der Tragik in der "Jungfrau von Orleans" nicht; sie wird nicht einmal erwogen. Stattdessen wird die Utopie einer nicht-christlichen schönen Welt zumindest umrisshaft entworfen: eine Welt der Liebe und des Friedens, die der naive oder besser: Naivität vortäuschende König Karl der Siebte sich in der Szene I, 2 ausmalt, wenn er sich an die Seite Renés des Guten stellt, des schöngeistigen Grafen von Provence.



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